Normal wird’s größer, oder?

Man fängt mit einem kleinen Boot an und – wenn’s gefällt – legt man sich irgendwann ein größeres zu. Und das mehrfach, wenn’s sich so ergibt. Bei uns in der Familie gab es da immer schon größere Schwankungen – in beide Richtungen. Je nach Familiensituation, finanzieller Lage, Lust und Laune und Angebot. Ich habe viele Boote gehabt und gesegelt, sogar mal aus einem alten Holzrettungsboot mit nichts drin ein Segelboot gebaut – im Garten. Leider segelte es nicht und der Motor war auch Schrott. Also was Neues. Ich muss auch erwähnen, dass Boote bei mir auch immer einen Projektcharakter hatten. Meist kaufte ich sie in etwas herunter gekommenen Zustand und fixte sie dann auf, nicht nur mit Farbe, sondern auch mit Technik. Das macht mir bis heute Freude – so lange die Substanz des Kahns stimmt.

Und es gab immer einen großen Traum: Das Plattbodenschiff. Die meiste Zeit war der Traum nicht realisierbar, aber dann vor drei Jahren doch. Es gab gewisse Umstände, die leider auch mit dem Tod des Voreigners zu tun hatten. Und so bekamen wir die „Dralle Deern“, die ihrem Namen wirklich mit ihren fünf Tonnen Gewicht, mit drei Metern Breite auf acht Meter Länge alle Ehre machte.

Und auch sie bekam erst mal über die Winter einige „Lifts“ von neuer Elektrik bis zur Mastwinde, um den Mast leichter legen und stellen zu können. Und ganz viel Elektronik wurde eingebaut vom neuen Seefunkgerät über das nautische Netzwerk bis hin zum elektronischen Kartenplotter, aktivem AIS und einem Echolot, das in wunderbarer Weise nicht nur die Tiefe, sondern auch die Beschaffenheit des Grundes zeigte. Von den diversen Umbauten des WC will ich gar nicht reden. Jetzt kann man es bei jeder Tide benutzen, auch wenn das Wasser weg ist, und zudem baute ich einen Fäkalientank ein. Und zig Dinge mehr.

Tolle Törns haben wir mit ihr gemacht, vom Ijsselmeer bis zur Schlei. Und mit jedem Törn merkte ich, dass man viel Kraft für dieses Schiff braucht. Körperlich. Egal, ob zum Steuern, Segel Setzen oder Ankern.

Und am Ende wurde mehr gedieselt als gesegelt. Schade…


Dann haben die Eignerin und der Skipper Eherat gehalten und kamen beide erstaunlich schnell zu derselben Konsequenz:

Lieber kleiner, trailerbar und mit deutlich weniger Aufwand zu betreiben und zu pflegen, als allzu drall, träge und schwer. Das wird einerseits erhebliche Einschränkungen bedeuten, von Küche bis Klo. Andererseits aber auch Erleichterungen: vom Handling bis zur Winterarbeit.

Und kurz darauf lief mir die „Brise“ über den Weg, nachdem ich mich nach möglichen Alternativen umgeschaut hatte. Es kamen nur Boote mit wenig Tiefgang in Betracht und davon eigentlich nur zwei Typen:

Jollenkreuzer (die segeln toll und haben am wenigsten Tiefgang, können aber kentern).

Und Kimmkieler wie die kleine Leisure 17, die ich immer schon auf der Wunschliste hatte: Seefest und absolut handlich!

Und nachdem Vereinskamerad Dieter vor einigen Jahren ganz alleine und ohne große Segelkenntnisse so eine L17 wunderbar durch Wind und Wellen als kleinstes Schiff im Tross bewegt hatte, waren Bestmann Werner und ich von diesem Schiff damals schon begeistert.

Ein Probeliegen in der Kajüte einer anderen L17 brachte dann die Erkenntnis: „Passt!“ . Und ich kaufte zu sehr gutem Preis die „Brise“ samt neuwertigem Trailer mit TÜV und älterem, aber gutem Honda-Viertakt-Außenborder.

Nun hatte ich erst mal zwei Boote, aber es fand sich bald ein echter Plattbodenfan für die „Dralle Deern“ und jetzt mache ich sie ihm für die nächste Saison fertig und danach kümmere ich mich um die neue „Brise“.

Alle Teile liegen schon bereit…